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Die Freundeskreis-Gesprächsabende Nr. 4: Sebastian Hartmann

4. März 2012 | Die spezielle Arbeitsweise Sebastian Hartmanns wird in der Theaterlandschaft als "Leipziger Handschrift" bezeichnet. Zum Gespräch darüber traf sich der Freundeskreis mit dem Intendanten im Centraltheater.

Ausgangspunkt für den 4. Gesprächsabend am 28. Februar im Rangfoyer des Centraltheaters war der Gedanke: Sebastian Hartmann macht Theater, das sich keinem Regiestil eindeutig zuordnen lässt.  Gesprächsabend 4. Freundeskreis Schauspiel Leipzig.

In einem intensiven, breit gefächerten Gespräch wurde deutlich, wie sich bei einem Theatermacher philosophisches, bildhaftes und szenisches Denken auf einem bestimmten literarischen Hintergrund miteinander verbinden. In diesem Kontext wuchs das Verständnis dafür, dass für Sebastian Hartmann Farben, Bewegungen und Sinnlichkeit multiplizierende Objekte eine stärkere Ausdruckskraft besitzen als das Wort. Für ihn bleibt ein Wort "dünn" im Verhältnis zur Bandbreite und Tiefe von Wahrnehmungen und Empfindungen. Das Verflechten von Handlungsabläufen mit Slapstick-ähnlichem Handeln der Schauspieler – was durch Improvisieren zustande kommt – sieht Sebastian Hartmann durch das per se sehr lustvoll agierende Schauspielerteam gerechtfertigt.
Dadurch werden auch ernste Inhalte mit einem gewissen Humor verwoben vorgetragen, ohne die psychologische Tiefe des Stückes zu beschädigen. Die sinnliche Überhöhung schon in der Realität sinnlich kaum erträglicher Vorgänge, was manchen Zuschauer zuweilen einen Zustand der Sinnentleerung empfinden lässt, bezeichnete demgegenüber Sebastian Hartmann als das Entstehen eines "denkfreien" Raumes, der dem Nachspüren, aber auch der "Faszination des Hässlichen" Platz macht.
Die spezielle Arbeitsweise Sebastian Hartmanns wird in der Theaterlandschaft als "Leipziger Handschrift" bezeichnet. Dazu gehört für bestimmte Stücke, wie "Eines langen Tages Reise in die Nacht", ein Handeln der Schauspieler, das Eingeweihte in Theaterproduktionen als Improvisieren betrachten. Für Sebastian Hartmann stellt sich das als ein "freies Spielen" dar, in dem jeden Abend auf der Bühne das Stück neu entwickelt wird. Das aber bleibt dem uneingeweihten Zuschauer weitestgehend verborgen. In diesem Zusammenhang schilderte Sebastian Hartmann auch sehr anschaulich, wie kompliziert sich bei dieser Auffassung von Theater die Proben gestalten.

 

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Die Freundeskreis-Gesprächsabende: Archiv

Gesprächsabend 3 wandte sich einer breiteren Öffentlichkeit zu und konnte mit dem Thema "Theaterkritik und Kritik am Theater" auch einen größeren Interessentenkreis gewinnen. Nina May, Theaterkritikerin der LVZ, stellte zunächst Vorgehen und Betrachtungsweise einer Theaterkritikerin dar.
Die bis dahin letzte Produktion des CT, "Nackter Wahnsinn – was ihr wollt", wurde sehr lebhaft und sehr kontrovers diskutiert. In diesem Zusammenhang wurde auch der Frage nachgegangen: Darf der Bedienung eines Stadttheaters künstlerisches Sich-Ausprobieren zum Opfer fallen? Konsens wurde erzielt mit dem Gedanken des OBM Burkhard Jung aus der LVZ: "Man ist auch dem Künstler etwas schuldig und nicht nur dem Publikum."   

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Robert Borgmann. Foto: Rolf Arnold / CT

VATERMORD war im April 2011 zum Münchner Theaterfestival RADIKAL JUNG eingeladen. Dr. Doris Freeß resümiert den spannenden Gesprächsabend 2 des Freundeskreises:

Der provozierende Anstoß mit der Formulierung einer persönlich empfundenen und gedeuteten Problemlage sowie die daraus geschlussfolgerte Botschaft des Stückes ließ uns schnell mit dem Regisseur Robert Borgmann ins Gespräch kommen.
Die zusammenfassende Symbolik des Stückes beruht auf einer riesigen Möbelskulptur, in und auf der sich der Gang des Stückes fortbewegt, die gleichermaßen Enge und Engstirnigkeit zum Ausdruck bringt. Dazu machte Robert Borgmann deutlich, dass dieser außergewöhnliche Regieeinfall seiner Biografie – Ausgangsstudium Bildende Kunst – und seiner künstlerischen Vorliebe für die Plastik geschuldet ist. Sein Nachdenken über eine Inszenierung beginnt immer mit dem Nachdenken über den Raum, in dem „etwas“ stattfinden soll. Und diesen Raum formt er als Erstes selbst als plastisches Modell und versenkt sich erst dann, wenn dieser Raum „real“ vorhanden ist, in seine symbolhaltige Bespielbarkeit.
Für die erste Inszenierung in der neuen Spielzeit hat Robert Borgmann das Raummodell bereits gebaut. Wir dürfen wieder gespannt sein! Wir freuen uns sehr, Robert Borgmann künftig als Hausregisseur an unserem Theater zu wissen.

Mehr zu Vatermord erfahren Sie hier
>> http://www.centraltheater-leipzig.de/vatermord/
In der taz erschien gerade ein Portrait Borgmanns
>> http://www.taz.de/1/leben/kuenste/artikel/1/der-vater-ist-schuld/

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Bereits im Januar 2011 trafen interessierte Freundeskreismitglieder und andere Theaterbegeisterte zu einem ersten Gesprächsabend unter dem Titel  "Schmerzen der Veränderung" zusammen und besprachen mit Prof. Neumann (Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy, Leipzig) die aktuelle Auffassung von Theater am Schauspiel Leipzig. Dabei bildeten der Aspekt Sprache und das Problem der Vermittlung einer Botschaft an einem stärker bildhaft ausgerichteten Theater den Kern der Diskussion.

Wir freuen uns sehr, dass die Gesprächsabende einen aktiven Zuspruch von Mitgliedern des Freundeskreises und anderen Interessenten gefunden haben.

Dr. Doris Freeß

 

 

Weil es unser Theater ist